Was heisst eigentlich REL Competitive?

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Grössere Turniere werden üblicherweise mit den strengeren Turnierregeln gespielt. Auf Englisch heisst das dann „Rule Enforcement Level: Competitive“. Von normalen Events sind wir das REL „Regular“ gewohnt. Ich möchte hier die wichtigen Unterschiede erklären.

An den Swiss Magic Masters und anderen grossen Turnieren geht es um grössere Gewinne wie an einem FNM oder ähnlichen kleinen Turnier. Die Competitive Regeln sind darauf fokussiert, dass korrekt gespielt wird. Fehler haben härtere Auswirkungen als bei Regular Turnieren.

Wenn du an einem Competitive Turnier mitspielst, wird erwartet, dass du die Magic Regeln kennst. Kommuniziere klar mit deinem Gegner, damit ihr beide einig seid, wo ihr gerade steht. Benutzt einen Papierblock mit Stift, um eure Lebenspunkte zu zählen. Würfel sind für das Zählen der Lebenspunkte nicht gestattet. So kann ein Judge den Spielverlauf nachvollziehen, wenn es Unklarheit gibt über die Lebenspunkte.

Das Ziel der Competitive Regeln ist, die Integrität des Turniers zu gewährleisten. Spiel korrekt, aber verkrampf dich nicht und hab trotzdem Spass am Turnier.

Vielen Dank Oliver Blank, der als Judge überprüft hat, dass ich hier keinen Unsinn erzähle.

JUDGE!!!

Wer schon mal an einem Magicfest war, kennt den lauten Ruf nach einem Judge. Man muss das nicht in den Raum brüllen, aber es ist korrekt, bei Unklarheiten oder Fehlern einen Judge zu rufen. Judges sind genau für diese Fälle anwesend. Sie kennen die Regeln und wissen, wie die Fehler korrekt korrigiert werden müssen.

Es ist auch erlaubt, bei einer schwierigen Interaktion einen Judge zu Rufen und ausserhalb der Hörweite des Gegners eine Regelfrage zu klären wenn du unsicher bist. Zum Beispiel: „Mein Gegner hat einen Blood Moon im Spiel. Wenn ich nun meine Dryad of the Ilysian Grove spiele, kann ich dann mit allen meiner Länder alle Farben Mana erzeugen?“ Beachte, dass der Judge dir auf keinen Fall Ratschläge geben darf, sondern nur die Regelfrage beantwortet. Er wird dich z.b. nicht darauf hinweisen, dass wenn der Gegner später einen zweiten Blood Moon spielt, der Effekt der Dryad wieder überschrieben wird.

Outside assistance

Es ist wichtig, dass der Match nur von den Spielern gespielt wird. Es ist verboten, während dem Match auf dem Handy etwas nachzuschauen, oder jemand anderen als einen Judge eine Magic-Frage zu stellen. Du darfst dir während dem Match Notizen machen, z.b. wenn der Gegner eine Handkarte zeigen musste. Zum Sideboarden darfst du auch eine ausgedruckte Liste verwenden, wo du dir notiert hast, welche Karten du in welchem Matchup austauschst – während dem Spiel darfst du diese Notizen aber nicht anschauen, nur während dem Sideboarden. Weitere Notizen sind nicht erlaubt. 

Umgekehrt ist zuschauen zwar in Ordnung, aber du darfst den Match nicht kommentieren oder gar einen Spieler auf etwas hinweisen. Diskussionen, etwa darüber, welche Sideboard Karte in dem Match gut wäre oder wie du den aktuellen Zug spielen würdest, müssen ausser Hörweite des Matches geführt werden.

Wenn du einen Fehler beobachtest, informiere einen Judge, der das Problem löst. Greif als Zuschauer niemals selber ins Spiel ein. Wenn der Fehler gravierend ist, bitte die Spieler, das Spiel zu unterbrechen, bis der Judge da ist.

Verpasst ist verpasst

Während bei REL Regular durchaus mal noch etwas leicht verspätet nachgeholt werden kann, ist bei Competitive ein Trigger verpasst, wenn man ihn nicht ansagt. Dabei gibt es zwei Varianten: 

Wenn eine Karte sagt, dass eine Aktion optional ist, geht man beim Verpassen davon aus, dass entschieden wurde, die Aktion nicht auszuführen. Beispiel: Ich spiele Abbot of Keral Keep, aber sage „Go“, ohne die mit ihm exilierte Karte zu spielen. Das kann ich nicht mehr nachholen.

Wenn die Aktion nicht-optional ist, darf der Gegner entscheiden, ob die Aktion noch ausgeführt werden muss oder verfällt. Wenn der verpasste Trigger als Nachteilhaft betrachtet wird, gibt es zudem eine Warnung.

Beispiel: Ich vergesse meinen Dark Confidant und ziehe die Karte für den Zug. Je nach Lebenspunkte könnte der Confidant mich das Spiel kosten. Der Gegner kann entscheiden, ob Dark Confidant noch ausgelöst wird.

Warnung: Die gelbe Karte

Fehler können passieren. Das wissen auch die Judges, und sie werden dir den Kopf nicht abreissen dafür.  Kleine Fehler, die euch sofort auffallen, könnt ihr unter euch lösen – solange beide Spieler einverstanden sind und ihr sicher seid, dass die Korrektur korrekt ist. Bei grösseren Fehlern, oder wenn ihr unsicher seid oder wenn seit dem Fehler weitere Aktionen gemacht wurden, solltet ihr einen Judge rufen, um den Situation zu klären. Der Judge wird das Spiel in Ordnung bringen, und wenn es einen Fehler gab, dem verantwortlichen Spieler eine Warnung aussprechen. Wird der Judge bei einem Fehler nicht gerufen, kann das, je nach Situation, als Schummeln ausgelegt werden.

Eine Warnung hat vorerst keinen Effekt. Macht ihr aber denselben Fehler noch mehrmals, wird genauer hingeschaut, und ihr könnt euch einen Game Loss einfahren. Der Sinn davon ist, dass ein Spieler nicht durch begehen der immer gleichen Fehler versucht, einen Vorteil zu ergattern. Bei wiederholten Fehlern kann auch der Verdacht von Schummeln aufkommen.

Der Spielzustand muss immer korrekt geführt werden – Sachen wie Schadenspunkte sind keine „verpassten Trigger“. Werden zum Beispiel nach einem Kampf die Lebenspunkte nicht angepasst, wird das noch korrigiert wenn die Situation noch rekonstruierbar ist. Ebenso wenn eine Kreatur gestorben wäre, aber auf dem Spielfeld gelassen wurde. Am besten sagt ihr jeweils die Lebenspunkt-Änderungen laut an, damit keine Abweichungen entstehen.

Schummeln

Bei Regelverstössen stellt sich immer auch die Frage, ob ein Spieler diese versehentlich oder absichtlich begangen hat. Während Versehen mit der Warnung geahndet werden, wird man für absichtliches falsch Spielen (cheating) direkt vom Turnier ausgeschlossen.

Beispiel: Ich habe absichtlich den Dark Confidant Trigger ignoriert, weil ich nur noch auf 1 Leben bin und ein nicht-Land mich das Spiel verlieren lässt. Das ist nicht erlaubt, ich muss den Trigger ausführen. Wenn ich das absichtlich nicht gemacht habe, habe ich geschummelt und werde aus dem Turnier entfernt.

Bluff oder Schummeln?

Die drakonische Strafe für Schummeln sagt klar an, dass es Tabu ist, Regelverstösse absichtlich zu begehen. Etwas anderes ist es mit einem Bluff. Wenn du z.b. als Control Spieler mal sagst „Moment“ und dann „OK, ich mache nichts“ obwohl du keinen Counterspell in der Hand hast, ist das ein Bluff und in den Regeln des Spiels. Wenn dein Gegner einen Chalice of the Void auf 1 hat, und du einen 1-Mana spell castet, kannst du abwarten ob der Gegner den Chalice ansagt (so wie der Chalice formuliert ist, ist es am Controller des Chalice, den Spell zu countern. Wenn er das nicht macht, ist es sein verpasster Trigger). Wenn du selbst den Chalice kontrollierst, darfst du das nicht. Natürlich darfst du auch einen Spell in deinen Chalice spielen (für Prowess, Storm oder um eine Karte in den Friedhof zu bringen), aber musst sofort ansagen, dass er gecountert wird. Wenn du versuchst, den Spell auszuführen, muss der Judge herausfinden, ob das tatsächlich bloss ein Fehler war, oder der Versuch, zu schummeln.

Noch ein weiteres Beispiel: Du hast einen Tarmogoyf, dein Gegner fragt welche Karten Typen du im Friedhof hast. Du bist nicht verpflichtet, die Zahl zu sagen. Wie auch sonst im Spiel darf der Gegner deinen Friedhof anschauen und selber zählen. Wenn du aber die Zahl sagst, muss sie korrekt sein. Eine falsche Zahl zu sagen um den Gegner zu täuschen wäre wiederum Schummeln.

Keine Bestechung, kein zufälliges Match-Ergebnis

Es darf weder einem Spieler noch einem Judge oder Turnierorganisator ein Angebot gemacht werden, um den Ausgang eines Spiels oder eine Entscheidung in dem Spiel zu beeinflussen. Ebenso ist nicht erlaubt, das Ergebnis mit einer zufälligen Methode zu bestimmen.

Nicht als Bestechung zählt, wenn:

  • Spieler noch nicht gewonnene Preise aufteilen, wenn das nicht das Matchresultat beeinflusst.
  • Spieler in der letzten Runde des Turniers sind, und sich darauf einigen, wer als Sieger des Turniers eingetragen wird und wie die Preise aufgeteilt werden
  • Alle Spieler, die noch im Turnier sind (z.b. Top 8 oder Top 4) können sich entscheiden, die Preise gleichmässig aufzuteilen. Dabei müssen aber alle Spieler einverstanden sein.

Zum Beispiel: Beide Spieler sind sicher, dass sie mit einem Unentschieden sicher in die Top 8 kommen. Hier ist es üblich, ein Unentschieden einzutragen. Möchte aber eine Person spielen, um z.b. als 1. in die Top 8 zu starten, wird das Match ausgespielt.

Schwierig wird es hingegen, wenn beide davon ausgehen, nur mit einem Matchsieg in die Top 8 zu kommen, und der Match auf ein Unentschieden hinaus läuft. Einer der Spieler sollte aufgeben, damit der andere in die Top 8 kommt. Hier ist eben wichtig, dass einer freiwillig aufgibt und weder zufällig bestimmt wird, noch etwas versprochen wird fürs aufgeben.

Bis bald an den SMM

Das waren viele Worte über viele Regeln. Ich hoffe, ich habe dich nicht abgeschreckt. Es ist wichtig, dass man sich bewusst ist über die Regeln um nicht unabsichtlich in Fehler zu laufen. Ich sehe die Regeln nicht als Spassbremse, sondern als Basis, um sicher vor möglichen Schummlern ein Turnier erleben zu dürfen.

Die nächste Gelegenheit für ein grosses Turnier in der Schweiz sind die Swiss Magic Masters am 30/31. Oktober. Ich hoffe, wir sehen uns dort!

Autor

David ist begeisterter Drafter und Modern Spieler und hat spass, Tiny Leader Decks zu brewen. Er organisiert die Drafts in der Brass.

Wegen seinem Beruf in der Web-Entwicklung liess er sich überreden, diese Webseite zu betreiben.

Autor: David

David ist begeisterter Drafter und Modern Spieler und hat spass, Tiny Leader Decks zu brewen. Er organisiert die Drafts in der Brass. Wegen seinem Beruf in der Web-Entwicklung liess er sich überreden, diese Webseite zu betreiben.